Buchtipp
Archive
Kategorien

 

Hier herunterzuladen bzw. zu bestellen: http://www.glaeserne-waende.de/

 

Rund 25 Millionen Menschen in der Bundesrepublik, knapp ein Drittel der Bevölkerung, gehören keiner Konfession an. Die große Mehrheit von ihnen ist nicht religiös. In den Großstädten – in den alten wie in den neuen Bundesländern – ist ihr Anteil regelmäßig erheblich höher. Doch wer nicht Mitglied in einer Kirche oder anderen traditionellen religiösen Glaubensgemeinschaft ist, hat oftmals die schlechteren Karten: auf dem Arbeitsmarkt, im Bildungssystem, in der Politik, in den Medien und in der öffentlichen Wahrnehmung. […]

Um das Wissen über die vielfältigen und teils gravierenden Formen der Diskriminierung nichtgläubiger Menschen zu verbessern, ist der Bericht Gläserne Wände entstanden. Die kompakte Broschüre beschreibt auf knapp 100 Seiten, in welchen Bereichen Bürgerinnen und Bürger ohne religiöses Bekenntnis benachteiligt werden und verweist auf aktuelle Konfliktfelder. Zusätzlich erläutert der Bericht politische und rechtliche Hintergründe des Status quo und nennt Fallbeispiele. Ergänzt werden die Darstellungen durch Vorschläge, wie die Politik Benachteiligungen abbauen könnte.

 

gbs-Broschüre in deutscher und englischer Sprache erschienen

Deutsche Politiker (insbesondere der C-Parteien, aber auch der SPD und der Grünen) sprechen gerne von den sogenannten „christlichen Werten“, denen das heutige Europa angeblich so viel zu verdanken habe. Tatsächlich jedoch steht die populäre Rede vom „christlichen Abendland“ (aktuell wieder strapaziert in der Debatte um die „Ehe für alle“) im scharfen Kontrast zu den Fakten der europäischen Geschichte, wie eine unlängst in deutscher und englischer Sprache erschienene Broschüre der Giordano-Bruno-Stiftung aufzeigt.

 

Die 12-seitige, mit vielen Bildern illustrierte gbs-Broschüre „Die Legende vom christlichen Abendland“ / „The Legend of the Christian Western World“ nimmt die Leserinnen und Leser mit auf einen rasanten Parforceritt durch die Kulturgeschichte: Die Reise beginnt bei der griechischen und römischen Antike, die die Fundamente für die größten Errungenschaften unserer Zivilisation legt. Mit der Einführung der christlichen Staatskirche durch Theodosius im Jahr 380, der zweiten Station der Expedition, erfolgt eine gravierende Zäsur, die zu einem nahezu vollständigen politischen und kulturellen Zusammenbruch in West- und Mitteleuropa führt. An dem dramatischen gesellschaftlichen Niedergang (3. Station) ändert auch die Förderung der Klosterkultur unter Karl „dem Großen“ (4. Station) wenig, wohl aber der Einfluss der islamisch-arabischen Kultur (5. Station), die das antike Erbe über Jahrhunderte pflegt und weiterentwickelt.

 

Ab dem 13. Jahrhundert dringt das antik-arabische Wissen nach Mitteleuropa. Während der muslimische Kulturraum in der Folgezeit dogmatisch erstarrt, wird Europa zum Nutznießer der heidnischen Antike im arabischen Gewand und erblüht in der „Renaissance“. Das neue Denken befreit die Menschen allmählich aus der religiösen Umklammerung, was in der Aufklärungsbewegung des 18. Jahrhunderts (6. Station) deutlich zum Ausdruck kommt, vor allem aber in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts – nach dem Niedergang der nationalistischen Wahnideen und zwei verheerenden Weltkriegen, in die die Deutschen noch unter dem Banner „Mit Gott und dem Kaiser!“ bzw. „Mit Gott und dem Führer!“ gezogen waren. […]

 

Für mehr Infos zur Broschüre bitte hier klicken.

 

Die neue gbs-Broschüre kann ab sofort von der gbs-Website heruntergeladen werden (deutsche Fassung / englische Fassung). Printausgaben der Broschüre zum Weiterverteilen oder zur Behandlung im schulischen Unterricht können per Webformular kostenfrei bei der Giordano-Bruno-Stiftung angefordert werden.

 

International Atheist Convention, held by IBKA, AAI and gbs – Köln, 22.-24. Mai 2015

Eine wirklich spannende Konferenz. Dies lag – abgesehen von den fantastischen Rednerinnen und Rednern – vor allem daran, dass sie uns die unterschiedlichen internationalen Aspekte des Säkularisierungsprozesses bewusst machte. Oft genug sind wir zu sehr mit der eigenen Gesellschaft und ihrer Probleme beschäftigt, als dass wir den Blick auf den globalen Trend werfen würden. Natürlich nehmen wir die schrecklichen Phänomene wahr, die religiöser Wahn in Hass und Gewalt ummünzt. Doch scheinen uns diese so betroffen zu machen, dass die Gegenbewegung uns aus dem Blickwinkel rutscht. So geht es jedenfalls mir.

Die erfolgreiche Umsetzung säkularistischer Positionen in gesellschaftliche Realität macht besonders die positive Entwicklung in Irland deutlich – dies etwa durch die großartige Meldung, die uns am Samstag Nachmittag jubeln ließ: Irland ist das erste Land der Welt, dass per Referendum (und also nicht durch parlamentarischen Beschluss!) die Ehe für alle Menschen öffnet. Dies ist ein offensichtliches Zeichen für den Wandel, den das vermeintlich erzkatholische Irland in den letzten Jahrzehnten durchgemacht hat. Ein sichtlich stolzer Michael Nugent, der seinen Vortrag über diese Entwicklung mit dem Satz beeendete „I’m really looking forward to coming back to an Ireland that has changed so much since I left it some days ago“, nennt seine Heimat dementsprechend auch „not a catholic country, but a country under Catholic law“. Denn die Abkehr nicht nur von der römisch-katholischen Kirche, sondern der Verlust der religiösen Bindung selbst ist gerade in Irland signifikant. Die Skandale, die die irische katholische Kirche in den letzten Monaten durchzumachen hatte, taten dazu ihr übriges.

Völlig anders sieht dagegen leider die Entwicklung in der Türkei aus. Hier sind die religiösen Machthaber der AKP unter Erdogan gerade dabei, die ehemalige säkulare kemalistische Republik in einen Gottesstaat unter präsidialer Hegemonie zu verwandeln. Morgan Elizabeth Romano berichtete über diese Entwicklungen und die Arbeit der noch sehr jungen und sehr kleinen atheistischen Vereinigung in der Türkei. Und die religiöse Unterdrückung, die sich über die letzten Jahre im Land eingeschlichen haben, betrifft vor allem Frauen.

Dabei ist signifikant (und es kam während der Tagung öfter zur Sprache): die säkulare Bewegung ist eben auch eine feministische Bewegung – und sie muss es sein. Und so sind es auf der Konferenz gerade die Frauen, die Zeichen setzen: Nada Peratovic (Kroatien), Arzu Toker (Deutschland/Türkei), Maryam Namazie (UK/Iran), Annie Laurie Gaylor (USA). Doch nicht allein Frauenrechte – alle Menschenrechte gilt es weltweit durchzusetzen. Wir müssen das Projekt Aufklärung weiterführen, wie PZ Myers appelliert. Es gibt keinen echten Säkularismus ohne Freiheit, Gleichheit und das Eintreten für die Durchsetzung der Menschenrechte für alle Menschen. Und Colin Goldner geht noch einen Schritt weiter – in seinem emotionalen Beitrag fordert er Grundrechte auch für die Großen Menschenaffen ein: Schimpansen, Bonobos, Orang Utans, Gorillas.

Aus der Vielzahl der Vorträge möchte ich noch zwei hervorheben, die sich dem Thema widmeten, dem meine besondere Aufmerksamkeit gilt: Religion und Gewalt. „Säkularismus ist die Lösung“ ist der Titel des Vortrags von Michael Schmidt-Salomon, den er sich beim saudi-arabischen Säkularisten Raif Badawi geliehen hat. Ohne die konsequente Trennung von Kirche und Staat (und – so möchte ich hinzufügen – Gesellschaft und Religion) „wird es nirgends auf der Erde Frieden, Freiheit und Gerechtigkeit geben“. Frieden gibt es, wo Religion herrscht, nur für die „In-Group“ – also für die eigene Gemeinschaft -, selten aber für die „Out-Group“- also Anders- oder Nichtgläubige. An vielen Beispielen macht Carsten Frerk dies in seinem Beitrag „Religion als Brandbeschleuniger“ deutlich – in einer Art Schnelldurchlauf durch die (vor allem europäisch dominierte) Geschichte weist er auf die Beteiligung, wenn nicht gar Haupttäterschaft religiöser Gemeinschaften in den wichtigsten militärischen Konflikten hin.

Abschließend möchte ich insbesondere Leo Igwe aus Nigeria und Valentin Abgottspon aus der Schweiz danken. Valentin, weil er uns gezeigt hat, welche schlagkräftige Waffe der Humor für uns sein kann. Und Leo, weil er uns auf seine wunderbare und unnachahmliche Art deutlich gemacht hat, dass man nicht auf einem Zaun stehen kann – entweder entscheidet man sich für eine Seite (nämlich religiöse Intoleranz zuzulassen oder aber schonungslos das säkulare Projekt voranzutreiben) oder man verliert den Halt und fällt. Und so lautet das Fazit der Tagung: Seien wir nicht nur „Freethinker“, sondern auch „Freedoer“.

Bilder und Filme von der Tagung auf www.ibka.org

 

Sie sind herzlich eingeladen!

Ein Film über die Geschichte des evolutionären Humanismus. Vorführung und anschließende Diskussion

Ist der Mensch tatsächlich nur ein »fataler Irrläufer der Natur«, um den es nicht schade wäre, würde er von der Erde verschwinden? Nein, sagt Philosoph und Bestsellerautor Michael Schmidt-Salomon: Denn die biologische und kulturelle Entwicklung unserer Spezies zeigt, dass wir das Potenzial haben, immer besser, immer »humaner« zu werden. Ein beeindruckendes, augenöffnendes Plädoyer für den Glauben an die Menschheit.

Die Filmemacherin Ricarda Hinz hat zum 10-jährigen Bestehen der Giordano-Bruno-Stiftung eine aufwändige 45-minütige Doku gedreht: „Hoffnung Mensch – Die Geschichte des evolutionären Humanismus“ wurde erstmals im November 2014 auf der Jubiläumsfeier der Giordano-Bruno-Stiftung in der Deutschen Nationalbibliothek Frankfurt gezeigt.

 

Datum/Zeit: 15.04.2015, 19:30 Uhr

Ort: Kulturwerkstatt Paderborn (Cafeteria), Bahnhofstr. 64

 

Eintritt frei

 

Stadtrat von Münster lehnt Antrag auf Bezuschussung des Katholikentags 2018 ab

(Pressemitteilung der Giordano-Bruno-Stiftung)

Erstmals in der Geschichte des Katholikentags verweigert eine Stadt die beantragte Millionen-Subvention: Der Münsteraner Stadtrat hat in seiner gestrigen Sitzung den Antrag der Veranstalter auf Gewährung eines Barzuschusses in Höhe von 1,2 Mio. EUR abgelehnt. Dies ist nicht zuletzt auch ein Verdienst der Kunstaktion „11. Gebot: Du sollst deinen Kirchentag selbst bezahlen!“, die von der Giordano-Bruno-Stiftung (gbs) initiiert und vor Ort insbesondere vom Internationalen Bund der Konfessionslosen und Atheisten (IBKA) unterstützt wurde.

Die Aktiven vom „11. Gebot“ hatten im November vergangenen Jahres drei Tage lang in der Innenstadt Münsters auf die verfassungswidrige Praxis der öffentlichen Förderung von Kirchentagen hingewiesen. Die knapp drei Meter hohe Moses-Skulptur mit einer „Steintafel“, auf der das 11. Gebot „Du sollst deinen Kirchentag selbst bezahlen!“ verkündet wird, fand enormen Zuspruch unter den Münsteranern. An die Bürger wurden Postkarten mit dem „11. Gebot“ verteilt, um die damals noch schwankenden Fraktionen von SPD und Grünen an die Trennung von Staat und Kirche zu erinnern.

„Es ist unglaublich: Unsere Aktion trat vor noch nicht einmal 12 Monaten zum ersten Mal im Mai 2014 beim Katholikentag in Regensburg auf und nun haben wir eine Diskussion entfacht, die zu einem Politikwechsel führte!“, kommentierte David Farago, gbs-Regionalgruppensprecher und Initiator der Kunstaktion „11. Gebot“, die jüngste Entwicklung.

Daniela Wakonigg, Münsters Regionalbeauftragte des Internationalen Bundes der Konfessionslosen und Atheisten (IBKA) e.V., ergänzte: „Jetzt gilt es, die angeforderten Vorschläge der Stadtverwaltung zur Unterstützung des Katholikentags mit Sachleistungen genau zu analysieren – denn auch Sachleistungen können eine unzulässige Privilegierung im Vergleich zu nicht-konfessionellen Veranstaltungen bedeuten.“

Während die Grünen sich Sachleistungen und Rabattierungen durch die Stadt nur soweit vorstellen können, wie diese auch anderen Großveranstaltungen gewährt werden, will die SPD viele Dienstleistungen kostenfrei zur Verfügung stellen, darunter die Überlassung von Schulen und auch der Halle Münsterland. Dies allein entspräche bereits einer Förderung in Höhe von 400.000,- EUR. Andere Veranstalter müssen diese Finanzmittel selbst aufbringen.

Mit Spannung erwarten die Aktiven vom „11. Gebot“ auch die Entscheidung der Landesregierung von Nordrhein-Westfalen. Bei dieser haben die Katholikentagsveranstalter ebenfalls einen Barzuschuss beantragt. 1,6 Mio. EUR soll das hoch verschuldete Bundesland zahlen. Ursprünglich wollte das Kabinett darüber am Dienstag beraten. Aufgrund des Flugzeugabsturzes wurde die Sitzung jedoch vertagt.

Maximilian Steinhaus (gbs Jena), Sprecher der Aktionsgruppe „11. Gebot“ merkte an: „Gegenüber dem hoch verschuldeten Land lässt sich der Subventionsantrag noch viel weniger rechtfertigen als gegenüber der Stadt – und wenn nicht einmal die Stadt einen Barzuschuss gibt, sollte eine rot-grüne Landesregierung den gleichen Mut beweisen wie ihre Fraktionen vor Ort in Münster.“

 

Weitere Informationen zur Kunstaktion sowie zur Finanzierung der Kirchentage in Deutschland finden Sie auf der Aktionswebsite: www.11tes-gebot.de