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Achtung Programmänderung! Da Ralf Prestenbach leider kurzfristig abgesagt hat, wird sich der Ablauf des Abends wie folgt ändern:
Nach der Vorstellung der OWL-Regionalgruppe der Giordano-Bruno-Stiftung, des Humanistischen Verbandes Deutschland und weiterer konfessionsfreier und humanistischer Gruppen werden Thomas Behrend aus “Heiliger Bim Bam” (Ralf Prestenbach) und Veronika Bitzan aus “Hoffnung Mensch” (Michael Schmidt-Salomon) lesen. Anschließend findet eine Diskussion statt.
Wir möchten Sie ganz herzlich zu dieser Veranstaltung einladen, die wir in Kooperation mit dem HVD Bielefeld durchführen. 
Ralf Prestenbach Heiliger Bimbam

Bild: Julia Berlin

Was wird aus einem Jungen, der in Deutschlands katholischer Rheinland-Provinz aufwächst? Ganz klar: ein Messdiener. Mit himmelschreiender Komik beschreibt Ralf Prestenbach in Heiliger Bim Bam. Ein Messdiener fällt vom Glauben ab seine Jugend in Chorhemd und Talar, in der er so allerhand erlebt hat: Waffengeschäfte und Drogenkonsum im Namen des HERRN, Glaubenskriege im Zeltlager und Evas Erbsünde auf dem Spielplatz. Mit bestechend kindlicher Logik erkennt der kleine Ralf schon früh: Wenn der HERR der Hirte ist, dann muss man sich mit den Schäferhunden gut stellen.

Der 45-jährige Ralf Prestenbach könnte heute auch hinter dem Altartisch stehen und nicht hinter der Theke seines Koblenzer Konzertclubs Circus Maximus. Warum das so hätte sein können – ja, diese Geschichte erzählt der ehemalige Punker, gelernte Masseur und medizinische Bademeister, abgebrochene Tiermediziner und diplomierte Pädagoge in seinem höchst amüsanten Rückblick auf seine katholische Jugend. Als der kleine Ralf im Koblenzer Stadtteil Metternich das Licht der Welt erblickte, begriff er schnell, dass die neue Freiheit wieder in einer Leibeigenschaft endete. Mutter und Vater dankten ständig dem HERRN, dass der kleine Ralf nun endlich da sei – somit war klar: „Der HERR meiner Eltern, war naturgemäß auch mein HERR. Von wegen Freiheit …“ Bei Ralf Prestenbach keimte demnach schon früh das Korn des Zweifels: der geisterhafte HERR als großer Strippenzieher des Schicksals? Nun ja, nahezu zwei Jahrzehnte gab es kein Entrinnen und so durchlief der Koblenzer frech und fromm die Stationen einer katholischen Entwicklungsgeschichte.

So betete Ralf nicht nur für den Weltfrieden, sondern auch für eine neue Erbsenpistole. Selbstverständlich mit aller gebotenen Ehrfurcht, denn der Wunsch musste dem HERRN ja auch in den Kram passen. Und siehe da: „Zwei Monate lang betete ich jeden Abend. Das Ergebnis: Für Waffen ließ sich der HERR definitiv schneller begeistern.“ Aber auch für große Inszenierungen im Delirium war der HERR zu haben: „Einmal im Jahr boten wir alles auf, was wir hatten. Vierzehn Messdiener zogen zur Osternacht festlich gekleidet durch das Mittelschiff zum Altar. Thomas trug die Kerze, und Andreas und ich sorgten für die Drogen. Es sollte das letzte Mal sein, dass wir drei die Verantwortung für den Weihrauch hatten. Wir legten einen Löffel nach dem anderen auf die heißen Kohlen und schwenkten was die Kraft hergab. Und dann kippte der Erste um.“

Von diesen und anderen Erlebnissen erzählt Ralf Prestenbach im charmanten Plauderton mit reichlich Witz und Lokalkolorit. Und zum Schluss fragt der ehemalige Messdiener, der vom Glauben abfiel: „Wo wären wir denn heute ohne christliche Werte? Früher oder später kommt diese Frage immer. Sie ist eine Art Totschlag-Argument, gerade weil man sie nicht eindeutig beantworten kann. Doch Nächstenliebe, Gleichberechtigung und Fairness – all diese Dinge, die sich Christen so gerne auf die Fahnen schreiben, mussten vielfach gegen den erbitterten Widerstand der Kirche erkämpft werden. Da stellt man sich doch besser die Frage: Wo wären wir heute ohne den Humanismus? Im schlimmsten Fall in einer christlichen Welt ohne Glaubens- und Gewissensfreiheit, ohne Frauenemanzipation, ohne Freiheit der Wissenschaft, ohne Freiheit der Kunst …“

Ralf Prestenbach war nicht nur Messdiener, Lektor und Klosterschüler – um ein Haar wäre er auch katholischer Priester geworden. Doch als ihm dämmerte, dass der Mensch sich nicht durch seinen Glauben, sondern durch seinen Verstand an die Spitze der Nahrungskette gekämpft hatte, wählte er die dunkle Seite der Macht und eröffnete einen Musikclub und eine Strandbar in Koblenz am Rhein. Er schuf sich damit ein ganz weltliches Kulturparadies auf Erden.

Im Anschluss Diskussion. Außerdem stellen sich die OWL-Regionalgruppen der Giordano-Bruno-Stiftung und des Humanistischen Verbandes Deutschland vor.

Wann? Donnerstag, 19. November, 20:00 Uhr
Wo? mondo Buchhandlung, Elsa-Brandström-Str. 23, 33602 Bielefeld

Der Eintritt ist frei.

 

Wir möchten Sie ganz herzlich zu dieser Veranstaltung einladen, die der HVD Bielefeld in Kooperation mit der Regionalgruppe Ostwestfalen-Lippe der Giordano Bruno Stiftung durchführt. 

Angst vor ungewollter Leidensverlängerung und Würdeverlust am Lebensende?

Die meisten Menschen in Deutschland bestehen darauf, ihr Leben selbst beenden zu dürfen,
wenn nichts mehr geht. Dafür wollen sie z.B. ärztliche Suizidhilfe in Anspruch nehmen können.
Doch im Bundestag werden verschiedene Gesetzentwürfe zum Thema Suizidhilfe diskutiert. Es
droht eine weitgehende Einschränkung der bislang straffreien Praxis der Hilfe zur Selbsttötung.


Wir fragen:

  • ● Welchen Stellenwert hat eine selbstbestimmte Gestaltung des Lebensendes in
    unserer Gesellschaft?
  • ● Wie kann Menschen – auch zur Vorbeugung eines Suizids – in existenziellen
    Notsituationen wirksam geholfen werden?
  • ● Wie könnte eine verantwortbare, kontrollierte Suizidhilfe gestaltet werden?
    Wie beurteilen wir die im Bundestag vorliegenden Gesetzentwürfe?

Referenten:

  • Eva Maria Rellecke, Dipl. Psychologin und ehemals Ethikberaterin am Bergmannsheil-Klinikum in Bochum. Sie wird das Thema Patientenverfügung und die Bedeutung des Patientenwillens aufgreifen.
  • Erwin Kress, Präsident des Humanistischen Verbands NRW. Er wird die aktuelle Debatte zum Thema „Palliativmedizin und assistierter Suizid“ darlegen, sowie die humanistische Position dazu.
Wann? Freitag, 16. Oktober, 19:30 Uhr
Wo? Raum 07, Bürgerwache in 33615 Bielefeld, Rolandstraße 16

Der Eintritt ist frei.

 

 

Hier herunterzuladen bzw. zu bestellen: http://www.glaeserne-waende.de/

 

Rund 25 Millionen Menschen in der Bundesrepublik, knapp ein Drittel der Bevölkerung, gehören keiner Konfession an. Die große Mehrheit von ihnen ist nicht religiös. In den Großstädten – in den alten wie in den neuen Bundesländern – ist ihr Anteil regelmäßig erheblich höher. Doch wer nicht Mitglied in einer Kirche oder anderen traditionellen religiösen Glaubensgemeinschaft ist, hat oftmals die schlechteren Karten: auf dem Arbeitsmarkt, im Bildungssystem, in der Politik, in den Medien und in der öffentlichen Wahrnehmung. […]

Um das Wissen über die vielfältigen und teils gravierenden Formen der Diskriminierung nichtgläubiger Menschen zu verbessern, ist der Bericht Gläserne Wände entstanden. Die kompakte Broschüre beschreibt auf knapp 100 Seiten, in welchen Bereichen Bürgerinnen und Bürger ohne religiöses Bekenntnis benachteiligt werden und verweist auf aktuelle Konfliktfelder. Zusätzlich erläutert der Bericht politische und rechtliche Hintergründe des Status quo und nennt Fallbeispiele. Ergänzt werden die Darstellungen durch Vorschläge, wie die Politik Benachteiligungen abbauen könnte.

 

gbs-Broschüre in deutscher und englischer Sprache erschienen

Deutsche Politiker (insbesondere der C-Parteien, aber auch der SPD und der Grünen) sprechen gerne von den sogenannten „christlichen Werten“, denen das heutige Europa angeblich so viel zu verdanken habe. Tatsächlich jedoch steht die populäre Rede vom „christlichen Abendland“ (aktuell wieder strapaziert in der Debatte um die „Ehe für alle“) im scharfen Kontrast zu den Fakten der europäischen Geschichte, wie eine unlängst in deutscher und englischer Sprache erschienene Broschüre der Giordano-Bruno-Stiftung aufzeigt.

 

Die 12-seitige, mit vielen Bildern illustrierte gbs-Broschüre „Die Legende vom christlichen Abendland“ / „The Legend of the Christian Western World“ nimmt die Leserinnen und Leser mit auf einen rasanten Parforceritt durch die Kulturgeschichte: Die Reise beginnt bei der griechischen und römischen Antike, die die Fundamente für die größten Errungenschaften unserer Zivilisation legt. Mit der Einführung der christlichen Staatskirche durch Theodosius im Jahr 380, der zweiten Station der Expedition, erfolgt eine gravierende Zäsur, die zu einem nahezu vollständigen politischen und kulturellen Zusammenbruch in West- und Mitteleuropa führt. An dem dramatischen gesellschaftlichen Niedergang (3. Station) ändert auch die Förderung der Klosterkultur unter Karl „dem Großen“ (4. Station) wenig, wohl aber der Einfluss der islamisch-arabischen Kultur (5. Station), die das antike Erbe über Jahrhunderte pflegt und weiterentwickelt.

 

Ab dem 13. Jahrhundert dringt das antik-arabische Wissen nach Mitteleuropa. Während der muslimische Kulturraum in der Folgezeit dogmatisch erstarrt, wird Europa zum Nutznießer der heidnischen Antike im arabischen Gewand und erblüht in der „Renaissance“. Das neue Denken befreit die Menschen allmählich aus der religiösen Umklammerung, was in der Aufklärungsbewegung des 18. Jahrhunderts (6. Station) deutlich zum Ausdruck kommt, vor allem aber in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts – nach dem Niedergang der nationalistischen Wahnideen und zwei verheerenden Weltkriegen, in die die Deutschen noch unter dem Banner „Mit Gott und dem Kaiser!“ bzw. „Mit Gott und dem Führer!“ gezogen waren. […]

 

Für mehr Infos zur Broschüre bitte hier klicken.

 

Die neue gbs-Broschüre kann ab sofort von der gbs-Website heruntergeladen werden (deutsche Fassung / englische Fassung). Printausgaben der Broschüre zum Weiterverteilen oder zur Behandlung im schulischen Unterricht können per Webformular kostenfrei bei der Giordano-Bruno-Stiftung angefordert werden.

 

International Atheist Convention, held by IBKA, AAI and gbs – Köln, 22.-24. Mai 2015

Eine wirklich spannende Konferenz. Dies lag – abgesehen von den fantastischen Rednerinnen und Rednern – vor allem daran, dass sie uns die unterschiedlichen internationalen Aspekte des Säkularisierungsprozesses bewusst machte. Oft genug sind wir zu sehr mit der eigenen Gesellschaft und ihrer Probleme beschäftigt, als dass wir den Blick auf den globalen Trend werfen würden. Natürlich nehmen wir die schrecklichen Phänomene wahr, die religiöser Wahn in Hass und Gewalt ummünzt. Doch scheinen uns diese so betroffen zu machen, dass die Gegenbewegung uns aus dem Blickwinkel rutscht. So geht es jedenfalls mir.

Die erfolgreiche Umsetzung säkularistischer Positionen in gesellschaftliche Realität macht besonders die positive Entwicklung in Irland deutlich – dies etwa durch die großartige Meldung, die uns am Samstag Nachmittag jubeln ließ: Irland ist das erste Land der Welt, dass per Referendum (und also nicht durch parlamentarischen Beschluss!) die Ehe für alle Menschen öffnet. Dies ist ein offensichtliches Zeichen für den Wandel, den das vermeintlich erzkatholische Irland in den letzten Jahrzehnten durchgemacht hat. Ein sichtlich stolzer Michael Nugent, der seinen Vortrag über diese Entwicklung mit dem Satz beeendete „I’m really looking forward to coming back to an Ireland that has changed so much since I left it some days ago“, nennt seine Heimat dementsprechend auch „not a catholic country, but a country under Catholic law“. Denn die Abkehr nicht nur von der römisch-katholischen Kirche, sondern der Verlust der religiösen Bindung selbst ist gerade in Irland signifikant. Die Skandale, die die irische katholische Kirche in den letzten Monaten durchzumachen hatte, taten dazu ihr übriges.

Völlig anders sieht dagegen leider die Entwicklung in der Türkei aus. Hier sind die religiösen Machthaber der AKP unter Erdogan gerade dabei, die ehemalige säkulare kemalistische Republik in einen Gottesstaat unter präsidialer Hegemonie zu verwandeln. Morgan Elizabeth Romano berichtete über diese Entwicklungen und die Arbeit der noch sehr jungen und sehr kleinen atheistischen Vereinigung in der Türkei. Und die religiöse Unterdrückung, die sich über die letzten Jahre im Land eingeschlichen haben, betrifft vor allem Frauen.

Dabei ist signifikant (und es kam während der Tagung öfter zur Sprache): die säkulare Bewegung ist eben auch eine feministische Bewegung – und sie muss es sein. Und so sind es auf der Konferenz gerade die Frauen, die Zeichen setzen: Nada Peratovic (Kroatien), Arzu Toker (Deutschland/Türkei), Maryam Namazie (UK/Iran), Annie Laurie Gaylor (USA). Doch nicht allein Frauenrechte – alle Menschenrechte gilt es weltweit durchzusetzen. Wir müssen das Projekt Aufklärung weiterführen, wie PZ Myers appelliert. Es gibt keinen echten Säkularismus ohne Freiheit, Gleichheit und das Eintreten für die Durchsetzung der Menschenrechte für alle Menschen. Und Colin Goldner geht noch einen Schritt weiter – in seinem emotionalen Beitrag fordert er Grundrechte auch für die Großen Menschenaffen ein: Schimpansen, Bonobos, Orang Utans, Gorillas.

Aus der Vielzahl der Vorträge möchte ich noch zwei hervorheben, die sich dem Thema widmeten, dem meine besondere Aufmerksamkeit gilt: Religion und Gewalt. „Säkularismus ist die Lösung“ ist der Titel des Vortrags von Michael Schmidt-Salomon, den er sich beim saudi-arabischen Säkularisten Raif Badawi geliehen hat. Ohne die konsequente Trennung von Kirche und Staat (und – so möchte ich hinzufügen – Gesellschaft und Religion) „wird es nirgends auf der Erde Frieden, Freiheit und Gerechtigkeit geben“. Frieden gibt es, wo Religion herrscht, nur für die „In-Group“ – also für die eigene Gemeinschaft -, selten aber für die „Out-Group“- also Anders- oder Nichtgläubige. An vielen Beispielen macht Carsten Frerk dies in seinem Beitrag „Religion als Brandbeschleuniger“ deutlich – in einer Art Schnelldurchlauf durch die (vor allem europäisch dominierte) Geschichte weist er auf die Beteiligung, wenn nicht gar Haupttäterschaft religiöser Gemeinschaften in den wichtigsten militärischen Konflikten hin.

Abschließend möchte ich insbesondere Leo Igwe aus Nigeria und Valentin Abgottspon aus der Schweiz danken. Valentin, weil er uns gezeigt hat, welche schlagkräftige Waffe der Humor für uns sein kann. Und Leo, weil er uns auf seine wunderbare und unnachahmliche Art deutlich gemacht hat, dass man nicht auf einem Zaun stehen kann – entweder entscheidet man sich für eine Seite (nämlich religiöse Intoleranz zuzulassen oder aber schonungslos das säkulare Projekt voranzutreiben) oder man verliert den Halt und fällt. Und so lautet das Fazit der Tagung: Seien wir nicht nur „Freethinker“, sondern auch „Freedoer“.

Bilder und Filme von der Tagung auf www.ibka.org