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15. Novemer 2016
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Achtung! Treffen um 20:00 in der Kulturwerkstatt Paderborn zum Vortrag von Dr. Carsten Frerk!
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Archiv für die Kategorie „Wissenschaft“

Eine großangelegte Studie der Universitäten Innsbruck und Utrecht versucht derzeit, ein Bild davon zu erstellen, wie konfessionsfreie Menschen leben und (nicht) glauben. Untersucht werden dabei mehrere mitteleuropäische Länder – Deutschland, Österreich, Schweiz, Niederlande und Dänemark.

In diesen Ländern leben immer mehr Menschen ohne Religion. Welche Weltbilder vertreten sie, welche Erfahrungen machen sie? Gibt es andere, nicht-religiöse Organisationen, denen sie sich zugehörig fühlen? Unser Ziel ist es, mehr Wissen über die Vielfalt unserer Weltbilder zu gewinnen. Nur so können die unterschiedlichen Anliegen auch angemessen in der Gesellschaft Gehör finden.

Um so mehr teilnehmen, um so aussagekräftiger natürlich die Studie!

Hier klicken und teilnehmen! (Offen bis Ende Dezember 2016)

 

Bildquelle: evokids.de

Bildquelle: evokids.de

„Evokids“-Projektgruppe veröffentlicht Lehrbuch mit 22 Unterrichtseinheiten zum Thema „Evolution“

Bislang gab es kaum Unterrichtsmaterialien, die Lehrerinnen und Lehrer nutzen konnten, um das für das moderne Weltbild grundlegende Thema „Evolution“ in den Klassenstufen 3 – 6 zu behandeln. Diesen Missstand behebt ein 113-seitiges Lehrbuch, das die Projektgruppe „Evokids – Evolution in der Grundschule“ heute auf ihrer Website veröffentlicht hat.

 

Für mehr Infos bitte hier klicken!

gbs-Broschüre in deutscher und englischer Sprache erschienen

Deutsche Politiker (insbesondere der C-Parteien, aber auch der SPD und der Grünen) sprechen gerne von den sogenannten „christlichen Werten“, denen das heutige Europa angeblich so viel zu verdanken habe. Tatsächlich jedoch steht die populäre Rede vom „christlichen Abendland“ (aktuell wieder strapaziert in der Debatte um die „Ehe für alle“) im scharfen Kontrast zu den Fakten der europäischen Geschichte, wie eine unlängst in deutscher und englischer Sprache erschienene Broschüre der Giordano-Bruno-Stiftung aufzeigt.

 

Die 12-seitige, mit vielen Bildern illustrierte gbs-Broschüre „Die Legende vom christlichen Abendland“ / „The Legend of the Christian Western World“ nimmt die Leserinnen und Leser mit auf einen rasanten Parforceritt durch die Kulturgeschichte: Die Reise beginnt bei der griechischen und römischen Antike, die die Fundamente für die größten Errungenschaften unserer Zivilisation legt. Mit der Einführung der christlichen Staatskirche durch Theodosius im Jahr 380, der zweiten Station der Expedition, erfolgt eine gravierende Zäsur, die zu einem nahezu vollständigen politischen und kulturellen Zusammenbruch in West- und Mitteleuropa führt. An dem dramatischen gesellschaftlichen Niedergang (3. Station) ändert auch die Förderung der Klosterkultur unter Karl „dem Großen“ (4. Station) wenig, wohl aber der Einfluss der islamisch-arabischen Kultur (5. Station), die das antike Erbe über Jahrhunderte pflegt und weiterentwickelt.

 

Ab dem 13. Jahrhundert dringt das antik-arabische Wissen nach Mitteleuropa. Während der muslimische Kulturraum in der Folgezeit dogmatisch erstarrt, wird Europa zum Nutznießer der heidnischen Antike im arabischen Gewand und erblüht in der „Renaissance“. Das neue Denken befreit die Menschen allmählich aus der religiösen Umklammerung, was in der Aufklärungsbewegung des 18. Jahrhunderts (6. Station) deutlich zum Ausdruck kommt, vor allem aber in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts – nach dem Niedergang der nationalistischen Wahnideen und zwei verheerenden Weltkriegen, in die die Deutschen noch unter dem Banner „Mit Gott und dem Kaiser!“ bzw. „Mit Gott und dem Führer!“ gezogen waren. […]

 

Für mehr Infos zur Broschüre bitte hier klicken.

 

Die neue gbs-Broschüre kann ab sofort von der gbs-Website heruntergeladen werden (deutsche Fassung / englische Fassung). Printausgaben der Broschüre zum Weiterverteilen oder zur Behandlung im schulischen Unterricht können per Webformular kostenfrei bei der Giordano-Bruno-Stiftung angefordert werden.

 

In diesen Tagen ist viel die Rede vom Terror der IS, der Islamisten. Und immer wieder taucht da auch die Frage auf, warum westlich sozialisierte junge Menschen sich von so etwas begeistern lassen, ja sogar zum Islam übertreten und dann für IS & Co in den Krieg ziehen.

Dass jedoch auch der christliche Fundamentalismus auf dem Vormarsch ist, gerät dabei schnell in den Hintergrund. Die Welle, die da von den USA immer mächtiger zu uns herüber schwappt, wirkt auf den ersten Blick gegenüber der waffenstarrenden Gewalt der Islamisten eher wie versponnene Blumenkinder-Marotten. Wobei der christliche Fundamentalismus in den USA durchaus auch waffenverliebt und auch gewalttätig ist.

Der Dokumentarfilm „Von Göttern und Designern – Ein Glaubenskrieg erreicht Europa“ zeigt die – auch in Deutschland erfolgreichen – Versuche christlicher Fundamentalisten, die Evolutionstheorie als falsch oder unglaubwürdig darzustellen und ihre Glaubenslehre inklusive Homophobie, Kreationismus und Intelligent Design im Biologieunterricht zu verankern.

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Einige Zitate aus dem Film:

Das ultimative Ziel ist eine fundamentalistisch-christliche Nation.

Die Redner entwickeln tagelang ihr fundamentalistisches Weltbild. Die Evolutionslehre, das Grundübel dieser Welt, wird mehrfach verflucht. Die Teilnehmer sollen ihr abschwören. Aus der religiösen Veranstaltung wird eine Generalabrechnung mit Homosexuellen, emanzipierten Frauen, überhaupt der ganzen modernen Gesellschaft. Schuld an allem ist auch hier die darwinsche Evolutionstheorie.

Wer Darwin zustimmt, ruft den Zorn Gottes hervor, außerdem Anschläge der Al-Qaida, Wirbelstürme, Tsunamis und in der Vergangenheit die Diktatur Adolf Hitlers. Besonders bei den jungen Zuschauern kommt die Botschaft gut an.

Wir haben uns in den letzten 6 Jahren verdreifacht…

Gerade die vielen jungen begeisterten Menschen, die man im Film sieht, erschüttern mich. Mindestens so wie, dass deutsche Schulbehörden, selbst an öffentlichen Schulen, nichts gegen das Predigen von Kreationismus & Co im Biologieunterricht einzuwenden haben.

Der Mechanismus scheint bei diesen christlichen jungen Menschen der Gleiche wie bei den dem Islamismus huldigenden, oben Genannten zu sein: Die Suche nach Halt und einfachen, klaren „Wahrheiten“ in einer immer komplizierter scheinenden Welt. Wissenschaft, so heißt es, könne diesen Halt nicht bieten, da wissenschaftliche Lehrbücher nicht statisch seien, sie sich immer wieder durch neue Erkenntnisse wandelten. Ganz im Gegensatz zur Bibel, deren Inhalt seit 2000 Jahren praktisch konstant sei. Diese Konstanz wird nicht etwa als Beleg für ein bloßes Dogma, sondern als Beleg ihrer Wahrheit genommen, der Prozess der wissenschaftlichen Erkenntnis und der damit einhergehende Wandel hingegen als Beleg der Unzulänglichkeit und Falschheit von Wissenschaft.

Ein weiterer Film der Autoren von „Von Göttern und Designern – Ein Glaubenskrieg erreicht Europa“ namens „Mit der Bibel zum Abitur“ widmet sich noch einmal speziell der Schulsituation und weist die weitere Ausbreitung kreationistischer Tendenzen an Schulen in NRW nach. (Es geht allerdings nicht nur um Kreationismus, im Konzept dieser Schulen ist z.B. auch der Umgang mit Homosexualität evangelikal – ich denke, ich muss hier nicht weiter ausführen, was das bedeutet.)

Im Konzept der christlichen Georg-Müller-Gesamtschule in Bielefeld heißt es dann auch klar und deutlich:

Einzige Autorität und Richtschnur für Leben und Lehre ist die Bibel, das zuverlässige und wahrhaftige Wort Gottes. […] Von liberaler Theologie und der Betrachtungsweise der historisch-kritischen Methode grenzen wir uns deutlich ab.

In diesem zweiten Film erzählen Kinder, wie ihnen, wenn sie anders denken, mit der Hölle gedroht wird, ist von Eltern die Rede, die Angst haben, sich zu äußern, da der Arm der Schule weit reiche. Eine Lehrerin erzählt, in welche Nöte evangelikal erzogene Kinder im Unterricht öffentlicher Schulen geraten, wenn es um Evolution oder auch Sexualität geht. Dass sie in Klausuren deutlich vermerken, dass sie nur wiedergäben, was gewünscht sei, nicht, was sie tatsächlich dächten, weil das Gewünschte ihrem Glauben widerspräche. Dass sie das Thema Sexualität im Unterricht komplett boykottieren, leere Blätter abgeben, Arbeitsmaterialien unbeachtet liegen lassen. Von Problemen mit muslimischen Schülern, von Burkini und Kopftuch lesen und hören wir fast täglich, aber hiervon?

Und auch hier wieder: Die zuständige Schulaufsicht hat nichts einzuwenden. Im Gegenteil, die Landesregierung begrüßt das Zunehmen solcher Schulen in christlicher Trägerschaft ausdrücklich, sieht sie als „Bereicherung“. Man stehe hilfreich zur Seite und möchte auch nicht „überkrtisch“ prüfen, heißt es wiederum von Seiten der Schulaufsicht.

Der Film „Von Göttern und Designern – Ein Glaubenskrieg erreicht Europa“ schließt mit den Worten:

Die Trennung von Religion und Naturwissenschaft hat unzählige neue Erkenntnisse gebracht und das Europa von heute entstehen lassen. Eine weitgehend demokratische, aufgeklärte Gesellschaft. Wer die Trennung von Religion und Wissenschaft rückgängig macht, setzt nicht mehr und nicht weniger als diese Errungenschaften aufs Spiel.

Dem kann ich mich nur anschließen. Oder um es mal mit den Worten des Theologen  Gerd Lüdemann zu sagen:

Die freiheitlich-demokratischen Ideale und Werte, die sich jetzt auch im Grundgesetz finden, wurden während der Aufklärung gegen die sich auf Gott und Bibel berufenden Kirchen durchgesetzt. Und weder der Gott Jahwe des Alten Testaments noch der Vater Jesus Christi, noch beide in einer Person, noch Allah vertreten die Werte unseres freiheitlich-demokratischen Staates. Sie müssen sie erst noch erlernen.

Wer denkt, all diese uns so selbstverständlich erscheinenden Errungenschaften seien unzerstörbar, unumkehrbar, der irrt.  Sie sind ständig in Gefahr, müssen ständig aufs Neue verteidigt werden. Wer es nicht glaubt, muss eigentlich nur einmal Nachrichten gucken, um sich eines Besseren belehren zu lassen. Fundamentalismus, egal ob islamisch, christlich etc., ist eine Bedrohung für unsere freiheitlich-demokratische Gesellschaft. Egal, ob er als Wolf oder Wolf im Schafpelz daher kommt.

Eine kleine Auswahl weiterführender Links:

Und last but not least der ebenfalls sehr sehenswerte Dokumentarfilm „Mission unter falscher Flagge (Radikale Christen in Deutschland)“:

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Die Pille danach oder die Homo-Ehe: Die Kirchen katapultieren sich ins gesellschaftliche Abseits. Kein Zufall, sondern eine jahrzehntelange Entwicklung.

Weiterlesen: Kirche: Es bleibt ein Häuflein selbstgewisser Aufrechter | Wissen | ZEIT ONLINE.