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Archiv für die Kategorie „Schule“

Bildquelle: evokids.de

Bildquelle: evokids.de

„Evokids“-Projektgruppe veröffentlicht Lehrbuch mit 22 Unterrichtseinheiten zum Thema „Evolution“

Bislang gab es kaum Unterrichtsmaterialien, die Lehrerinnen und Lehrer nutzen konnten, um das für das moderne Weltbild grundlegende Thema „Evolution“ in den Klassenstufen 3 – 6 zu behandeln. Diesen Missstand behebt ein 113-seitiges Lehrbuch, das die Projektgruppe „Evokids – Evolution in der Grundschule“ heute auf ihrer Website veröffentlicht hat.

 

Für mehr Infos bitte hier klicken!

In diesen Tagen ist viel die Rede vom Terror der IS, der Islamisten. Und immer wieder taucht da auch die Frage auf, warum westlich sozialisierte junge Menschen sich von so etwas begeistern lassen, ja sogar zum Islam übertreten und dann für IS & Co in den Krieg ziehen.

Dass jedoch auch der christliche Fundamentalismus auf dem Vormarsch ist, gerät dabei schnell in den Hintergrund. Die Welle, die da von den USA immer mächtiger zu uns herüber schwappt, wirkt auf den ersten Blick gegenüber der waffenstarrenden Gewalt der Islamisten eher wie versponnene Blumenkinder-Marotten. Wobei der christliche Fundamentalismus in den USA durchaus auch waffenverliebt und auch gewalttätig ist.

Der Dokumentarfilm „Von Göttern und Designern – Ein Glaubenskrieg erreicht Europa“ zeigt die – auch in Deutschland erfolgreichen – Versuche christlicher Fundamentalisten, die Evolutionstheorie als falsch oder unglaubwürdig darzustellen und ihre Glaubenslehre inklusive Homophobie, Kreationismus und Intelligent Design im Biologieunterricht zu verankern.

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Einige Zitate aus dem Film:

Das ultimative Ziel ist eine fundamentalistisch-christliche Nation.

Die Redner entwickeln tagelang ihr fundamentalistisches Weltbild. Die Evolutionslehre, das Grundübel dieser Welt, wird mehrfach verflucht. Die Teilnehmer sollen ihr abschwören. Aus der religiösen Veranstaltung wird eine Generalabrechnung mit Homosexuellen, emanzipierten Frauen, überhaupt der ganzen modernen Gesellschaft. Schuld an allem ist auch hier die darwinsche Evolutionstheorie.

Wer Darwin zustimmt, ruft den Zorn Gottes hervor, außerdem Anschläge der Al-Qaida, Wirbelstürme, Tsunamis und in der Vergangenheit die Diktatur Adolf Hitlers. Besonders bei den jungen Zuschauern kommt die Botschaft gut an.

Wir haben uns in den letzten 6 Jahren verdreifacht…

Gerade die vielen jungen begeisterten Menschen, die man im Film sieht, erschüttern mich. Mindestens so wie, dass deutsche Schulbehörden, selbst an öffentlichen Schulen, nichts gegen das Predigen von Kreationismus & Co im Biologieunterricht einzuwenden haben.

Der Mechanismus scheint bei diesen christlichen jungen Menschen der Gleiche wie bei den dem Islamismus huldigenden, oben Genannten zu sein: Die Suche nach Halt und einfachen, klaren „Wahrheiten“ in einer immer komplizierter scheinenden Welt. Wissenschaft, so heißt es, könne diesen Halt nicht bieten, da wissenschaftliche Lehrbücher nicht statisch seien, sie sich immer wieder durch neue Erkenntnisse wandelten. Ganz im Gegensatz zur Bibel, deren Inhalt seit 2000 Jahren praktisch konstant sei. Diese Konstanz wird nicht etwa als Beleg für ein bloßes Dogma, sondern als Beleg ihrer Wahrheit genommen, der Prozess der wissenschaftlichen Erkenntnis und der damit einhergehende Wandel hingegen als Beleg der Unzulänglichkeit und Falschheit von Wissenschaft.

Ein weiterer Film der Autoren von „Von Göttern und Designern – Ein Glaubenskrieg erreicht Europa“ namens „Mit der Bibel zum Abitur“ widmet sich noch einmal speziell der Schulsituation und weist die weitere Ausbreitung kreationistischer Tendenzen an Schulen in NRW nach. (Es geht allerdings nicht nur um Kreationismus, im Konzept dieser Schulen ist z.B. auch der Umgang mit Homosexualität evangelikal – ich denke, ich muss hier nicht weiter ausführen, was das bedeutet.)

Im Konzept der christlichen Georg-Müller-Gesamtschule in Bielefeld heißt es dann auch klar und deutlich:

Einzige Autorität und Richtschnur für Leben und Lehre ist die Bibel, das zuverlässige und wahrhaftige Wort Gottes. […] Von liberaler Theologie und der Betrachtungsweise der historisch-kritischen Methode grenzen wir uns deutlich ab.

In diesem zweiten Film erzählen Kinder, wie ihnen, wenn sie anders denken, mit der Hölle gedroht wird, ist von Eltern die Rede, die Angst haben, sich zu äußern, da der Arm der Schule weit reiche. Eine Lehrerin erzählt, in welche Nöte evangelikal erzogene Kinder im Unterricht öffentlicher Schulen geraten, wenn es um Evolution oder auch Sexualität geht. Dass sie in Klausuren deutlich vermerken, dass sie nur wiedergäben, was gewünscht sei, nicht, was sie tatsächlich dächten, weil das Gewünschte ihrem Glauben widerspräche. Dass sie das Thema Sexualität im Unterricht komplett boykottieren, leere Blätter abgeben, Arbeitsmaterialien unbeachtet liegen lassen. Von Problemen mit muslimischen Schülern, von Burkini und Kopftuch lesen und hören wir fast täglich, aber hiervon?

Und auch hier wieder: Die zuständige Schulaufsicht hat nichts einzuwenden. Im Gegenteil, die Landesregierung begrüßt das Zunehmen solcher Schulen in christlicher Trägerschaft ausdrücklich, sieht sie als „Bereicherung“. Man stehe hilfreich zur Seite und möchte auch nicht „überkrtisch“ prüfen, heißt es wiederum von Seiten der Schulaufsicht.

Der Film „Von Göttern und Designern – Ein Glaubenskrieg erreicht Europa“ schließt mit den Worten:

Die Trennung von Religion und Naturwissenschaft hat unzählige neue Erkenntnisse gebracht und das Europa von heute entstehen lassen. Eine weitgehend demokratische, aufgeklärte Gesellschaft. Wer die Trennung von Religion und Wissenschaft rückgängig macht, setzt nicht mehr und nicht weniger als diese Errungenschaften aufs Spiel.

Dem kann ich mich nur anschließen. Oder um es mal mit den Worten des Theologen  Gerd Lüdemann zu sagen:

Die freiheitlich-demokratischen Ideale und Werte, die sich jetzt auch im Grundgesetz finden, wurden während der Aufklärung gegen die sich auf Gott und Bibel berufenden Kirchen durchgesetzt. Und weder der Gott Jahwe des Alten Testaments noch der Vater Jesus Christi, noch beide in einer Person, noch Allah vertreten die Werte unseres freiheitlich-demokratischen Staates. Sie müssen sie erst noch erlernen.

Wer denkt, all diese uns so selbstverständlich erscheinenden Errungenschaften seien unzerstörbar, unumkehrbar, der irrt.  Sie sind ständig in Gefahr, müssen ständig aufs Neue verteidigt werden. Wer es nicht glaubt, muss eigentlich nur einmal Nachrichten gucken, um sich eines Besseren belehren zu lassen. Fundamentalismus, egal ob islamisch, christlich etc., ist eine Bedrohung für unsere freiheitlich-demokratische Gesellschaft. Egal, ob er als Wolf oder Wolf im Schafpelz daher kommt.

Eine kleine Auswahl weiterführender Links:

Und last but not least der ebenfalls sehr sehenswerte Dokumentarfilm „Mission unter falscher Flagge (Radikale Christen in Deutschland)“:

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Carsten FrerkAm 11. Februar 2014 um 20 Uhr lädt das Linke Forum Paderborn in Kooperation mit der Rosa Luxemburg Stiftung NRW in die Cafeteria der Kulturwerkstatt Paderborn zum Vortrag mit anschließender Diskussion mit Dr. Carsten Frerk ein: „Violettbuch Kirchenfinanzen: Wie der Staat die Kirchen finanziert“

Carsten Frerk ist der Fachmann auf dem Gebiet Kirchenfinanzen und staatliche Alimentierung der Kirchen. U.a. hat er dazu die Bücher „Finanzen und Vermögen der Kirchen in Deutschland“, „Caritas und Diakonie in Deutschland“ und „Violettbuch Kirchenfinanzen: Wie der Staat die Kirchen finanziert“ veröffentlicht.

Aus der Einladung:

Im Sommer 2010 berichteten die Medien, dass die katholischen Bischöfe in Deutschland „Dotationen“ erhalten, also direkt vom Staat bezahlt werden, und die Begründung dafür sich vor zweihundert Jahren abgespielt haben soll. Im Jahr 2009 waren das 442 Millionen Euro, die die Bundesländer aus Steuergeldern als „Personalzuschüsse“ an die Kirchen überwiesen. Dies war weitestgehend unbekannt.

Die Kirchen gehören zur Kultur in Deutschland und die ist Ländersache. Bildung ist ebenso Ländersache und so werden die akademischen Nachwuchskräfte der beiden Kirchen an den Theologischen Fakultäten der Universitäten und an Hochschulen ausgebildet. Für die Kirchen kostenlos, denn der Steuerzahler finanziert die dafür notwendigen 650 Millionen Euro.

Der konfessionell gebundene christliche Religionsunterricht hat Verfassungsrang als ordentliches Schulfach und wird auch entsprechend staatlich finanziert – schließlich ist es ja ein staatlicher Unterricht, auch wenn die Kirchen inhaltlich bestimmen, was im Sinn und Auftrag der Kirche dort unterrichtet wird. Jährlich 1,4 Milliarden Euro lässt sich das der Staat kosten.

Zunehmend wird in der öffentlichen Meinung gefragt: Soll diese Verflechtung von Staat und Kirche bleiben?

 

Wir, von der Regionalgruppe OWL der Giordano Bruno Stiftung, werden uns, statt wie regulär im Reiseladen, diesmal hier beim Vortrag in der Kulturwerkstatt treffen!

 

Mehr Infos zur Veranstaltung:

Weiterführendes:

Siehe auch:

 


(Bildquelle: Linkes Forum Paderborn)

Schluss mit religiös begründeter Diskriminierung an öffentlichen Schulen in NRW!

Sogenannte „Bekenntnisschulen“ sind katholische oder evangelische Schulen (in NRW und Niedersachsen), die zwar aus öffentlichen Geldern finanziert werden, die aber trotzdem nur Kinder ihrer Konfession aufzunehmen brauchen und diese zum Religionsunterricht und Gottesdienst verpflichten können. Das heißt, Muslime, Juden, Buddhisten, Hindus, Nichtreligiöse etc. müssen diese Schulen zwar finanzieren, aber ihre Kinder sind dort nicht erwünscht, zumindest nicht, wenn sie nicht am Religionsunterricht und Gottesdienst teilnehmen wollen. Da es Städte und Gemeinden gibt, wo es ganz überwiegend bis nur solche Bekenntnisschulen gibt, werden Kinder aus ihrem Freundesverband gerissen und gezwungen, weite Wege auf sich zu nehmen.

In Paderborn, wo 15 von 23 städtischen Schulen solche Bekenntnisschulen sind, wird einem Jungen (von der Wohnung aus sind die sechs nächst gelegenen Schulen alle Bekenntnisschulen)  aktuell die Aufnahme in eine katholische Bekenntnisschule verweigert, da seine Eltern nicht bereit sind zu unterschreiben, dass ihr Sohn am katholischen Religionsunterricht teilnehmen muss. Und dies, obwohl die Abmeldung vom Religionsunterricht an öffentlichen Schulen grundgesetzlich garantiert ist!

So kommt auch Dr. Thomas Langner in einem Artikel für die Juristenzeitschrift Legal Tribune online zu dem Schluss, dass kommunale Bekenntnisschulen

„grundsätzlich den gleichen Aufnahmebedingungen unterliegen wie die Gemeinschaftsschulen. […] Nach alledem stellt sich die Rechtslage im Fall der Bonifatius Schule eindeutig dar. Da sie in öffentlicher Trägerschaft betrieben wird, darf sie die Teilnahme an Religionsunterricht und Gottesdienst nicht zur zwingenden Aufnahmebedingung machen.“

Dennoch wurde der Eilantrag der Eltern an das Verwaltungsgericht, wonach das Kind vorläufig in der Schule Aufnahme finden sollte, am 30.8.2013 abgelehnt.

Per Petition wird nun gefordert: Bülent soll mit seinen Freunden auf die Grundschule in seiner Nachbarschaft gehen dürfen!
 

Mehr Informationen:

Zum Blogbeitrag „Gilt das Grundgesetz auch in Nordrhein-Westfalen?“ vom 21. Januar 2013 gibt es eine Fortsetzung: Das Verwaltungsgericht Minden hat den Eilantrag der Eltern des betroffenen Jungen abgelehnt. Danach wird das Kind seine Schullaufbahn in einer wesentlich weiter entfernten „Gemeinschaftsschule“ beginnen müssen, allen Bemühungen um Inklusion und Integration zum Trotz sowie im Widerspruch zum grundgesetzlich verankerten Benachteiligungsverbot.

Eine Online-Petition mit dem Ziel, den Jungen doch noch in die nächstgelegene Grundschule aufzunehmen (die ja keine kirchliche Schule ist, sondern eine Schule in Trägerschaft der Stadt Paderborn!), bietet die Möglichkeit, sich genauer über den Sachverhalt zu informieren und sich für das Recht des Kindes und seiner Eltern einzusetzen. Bitte lesen und unterschreiben Sie:
https://www.openpetition.de/petition/bestaetigen/buelent-soll-mit-seinen-freunden-auf-die-grundschule-in-seiner-nachbarschaft-gehen-duerfen

Von den Eltern zu erwarten, die vom Schulleiter der „Bekenntnisschule“ gewünschte Einverständniserklärung zu katholisch-religiöser Erziehung doch noch zu unterschreiben, um dem Kind die sonst zu erwartenden Belastungen zu ersparen, hieße, die Verantwortung für die Auswirkungen des anachronistischen und dem Geist des Grundgesetzes widersprechenden Bekenntnisschulwesens in NRW vom Staat, der Politik und der Justiz auf die schwächsten Teilnehmer in diesem System abzuwälzen.