Diskussionsforum
Ganz neu und immer offen für Ihre Fragen an uns:
Unser Diskussionsforum
Buchtipp
Archive
Kategorien

Archiv für die Kategorie „Kirche“

Sie sind herzlich eingeladen!

Corinna Gekeler / Foto © Evelin Frerk

Corinna Gekeler
Foto © Evelin Frerk

Vortrag und anschließende Diskussion zu den Auswirkungen der Loyalitätspflichten für Bewerber und Beschäftigte bei Diakonie, Caritas und Co., dem rechtlichen Hintergrund und den politischen Entwicklungen

Über eine Million Menschen arbeiten in Deutschland in kirchlichen Einrichtungen. Sie alle müssen auf ihre Glaubens- und Gewissensfreiheit und andere Grundrechte verzichten. Betroffen sind keineswegs nur „verkündigungsnahe“ Berufe wie Pfarrer oder Diakon, sondern die Regelungen gelten auch für Ärztinnen, Krankenpfleger, Hebammen, Lehrerinnen, Hausmeister, Küchenhilfen …

Evangelische und katholische Arbeitgeber machen von ihren Sonderrechten im Arbeitsalltag Gebrauch, indem sie Bewerber ablehnen, Mitarbeiter unter Druck setzen, Aufstiegschancen verweigern und Kündigungen aussprechen. Dies prägt nicht nur den beruflichen Alltag der Betroffenen, sondern wirkt weit in ihr Privatleben hinein.

Vortrag: Corinna Gekeler, Diplom-Politologin, PR- und Kommunikationsberaterin, Redakteurin, Publizistin, Autorin von “Loyal dienen” (Alibri-Verlag, 2013)

Tag/Zeit: 5.11.2014, 19:30 Uhr (Eintritt frei!)

Ort: Cafété in der Kulturwerkstatt Paderborn, Bahnhofstr. 64

Infos zum Thema: GerDiA – Gegen religiöse Diskriminierung am Arbeitsplatz

In diesen Tagen ist viel die Rede vom Terror der IS, der Islamisten. Und immer wieder taucht da auch die Frage auf, warum westlich sozialisierte junge Menschen sich von so etwas begeistern lassen, ja sogar zum Islam übertreten und dann für IS & Co in den Krieg ziehen.

Dass jedoch auch der christliche Fundamentalismus auf dem Vormarsch ist, gerät dabei schnell in den Hintergrund. Die Welle, die da von den USA immer mächtiger zu uns herüber schwappt, wirkt auf den ersten Blick gegenüber der waffenstarrenden Gewalt der Islamisten eher wie versponnene Blumenkinder-Marotten. Wobei der christliche Fundamentalismus in den USA durchaus auch waffenverliebt und auch gewalttätig ist.

Der Dokumentarfilm „Von Göttern und Designern – Ein Glaubenskrieg erreicht Europa“ zeigt die – auch in Deutschland erfolgreichen – Versuche christlicher Fundamentalisten, die Evolutionstheorie als falsch oder unglaubwürdig darzustellen und ihre Glaubenslehre inklusive Homophobie, Kreationismus und Intelligent Design im Biologieunterricht zu verankern.

[youtube]http://youtu.be/EhnHW653E4Q[/youtube]

Einige Zitate aus dem Film:

Das ultimative Ziel ist eine fundamentalistisch-christliche Nation.

Die Redner entwickeln tagelang ihr fundamentalistisches Weltbild. Die Evolutionslehre, das Grundübel dieser Welt, wird mehrfach verflucht. Die Teilnehmer sollen ihr abschwören. Aus der religiösen Veranstaltung wird eine Generalabrechnung mit Homosexuellen, emanzipierten Frauen, überhaupt der ganzen modernen Gesellschaft. Schuld an allem ist auch hier die darwinsche Evolutionstheorie.

Wer Darwin zustimmt, ruft den Zorn Gottes hervor, außerdem Anschläge der Al-Qaida, Wirbelstürme, Tsunamis und in der Vergangenheit die Diktatur Adolf Hitlers. Besonders bei den jungen Zuschauern kommt die Botschaft gut an.

Wir haben uns in den letzten 6 Jahren verdreifacht…

Gerade die vielen jungen begeisterten Menschen, die man im Film sieht, erschüttern mich. Mindestens so wie, dass deutsche Schulbehörden, selbst an öffentlichen Schulen, nichts gegen das Predigen von Kreationismus & Co im Biologieunterricht einzuwenden haben.

Der Mechanismus scheint bei diesen christlichen jungen Menschen der Gleiche wie bei den dem Islamismus huldigenden, oben Genannten zu sein: Die Suche nach Halt und einfachen, klaren „Wahrheiten“ in einer immer komplizierter scheinenden Welt. Wissenschaft, so heißt es, könne diesen Halt nicht bieten, da wissenschaftliche Lehrbücher nicht statisch seien, sie sich immer wieder durch neue Erkenntnisse wandelten. Ganz im Gegensatz zur Bibel, deren Inhalt seit 2000 Jahren praktisch konstant sei. Diese Konstanz wird nicht etwa als Beleg für ein bloßes Dogma, sondern als Beleg ihrer Wahrheit genommen, der Prozess der wissenschaftlichen Erkenntnis und der damit einhergehende Wandel hingegen als Beleg der Unzulänglichkeit und Falschheit von Wissenschaft.

Ein weiterer Film der Autoren von „Von Göttern und Designern – Ein Glaubenskrieg erreicht Europa“ namens „Mit der Bibel zum Abitur“ widmet sich noch einmal speziell der Schulsituation und weist die weitere Ausbreitung kreationistischer Tendenzen an Schulen in NRW nach. (Es geht allerdings nicht nur um Kreationismus, im Konzept dieser Schulen ist z.B. auch der Umgang mit Homosexualität evangelikal – ich denke, ich muss hier nicht weiter ausführen, was das bedeutet.)

Im Konzept der christlichen Georg-Müller-Gesamtschule in Bielefeld heißt es dann auch klar und deutlich:

Einzige Autorität und Richtschnur für Leben und Lehre ist die Bibel, das zuverlässige und wahrhaftige Wort Gottes. […] Von liberaler Theologie und der Betrachtungsweise der historisch-kritischen Methode grenzen wir uns deutlich ab.

In diesem zweiten Film erzählen Kinder, wie ihnen, wenn sie anders denken, mit der Hölle gedroht wird, ist von Eltern die Rede, die Angst haben, sich zu äußern, da der Arm der Schule weit reiche. Eine Lehrerin erzählt, in welche Nöte evangelikal erzogene Kinder im Unterricht öffentlicher Schulen geraten, wenn es um Evolution oder auch Sexualität geht. Dass sie in Klausuren deutlich vermerken, dass sie nur wiedergäben, was gewünscht sei, nicht, was sie tatsächlich dächten, weil das Gewünschte ihrem Glauben widerspräche. Dass sie das Thema Sexualität im Unterricht komplett boykottieren, leere Blätter abgeben, Arbeitsmaterialien unbeachtet liegen lassen. Von Problemen mit muslimischen Schülern, von Burkini und Kopftuch lesen und hören wir fast täglich, aber hiervon?

Und auch hier wieder: Die zuständige Schulaufsicht hat nichts einzuwenden. Im Gegenteil, die Landesregierung begrüßt das Zunehmen solcher Schulen in christlicher Trägerschaft ausdrücklich, sieht sie als „Bereicherung“. Man stehe hilfreich zur Seite und möchte auch nicht „überkrtisch“ prüfen, heißt es wiederum von Seiten der Schulaufsicht.

Der Film „Von Göttern und Designern – Ein Glaubenskrieg erreicht Europa“ schließt mit den Worten:

Die Trennung von Religion und Naturwissenschaft hat unzählige neue Erkenntnisse gebracht und das Europa von heute entstehen lassen. Eine weitgehend demokratische, aufgeklärte Gesellschaft. Wer die Trennung von Religion und Wissenschaft rückgängig macht, setzt nicht mehr und nicht weniger als diese Errungenschaften aufs Spiel.

Dem kann ich mich nur anschließen. Oder um es mal mit den Worten des Theologen  Gerd Lüdemann zu sagen:

Die freiheitlich-demokratischen Ideale und Werte, die sich jetzt auch im Grundgesetz finden, wurden während der Aufklärung gegen die sich auf Gott und Bibel berufenden Kirchen durchgesetzt. Und weder der Gott Jahwe des Alten Testaments noch der Vater Jesus Christi, noch beide in einer Person, noch Allah vertreten die Werte unseres freiheitlich-demokratischen Staates. Sie müssen sie erst noch erlernen.

Wer denkt, all diese uns so selbstverständlich erscheinenden Errungenschaften seien unzerstörbar, unumkehrbar, der irrt.  Sie sind ständig in Gefahr, müssen ständig aufs Neue verteidigt werden. Wer es nicht glaubt, muss eigentlich nur einmal Nachrichten gucken, um sich eines Besseren belehren zu lassen. Fundamentalismus, egal ob islamisch, christlich etc., ist eine Bedrohung für unsere freiheitlich-demokratische Gesellschaft. Egal, ob er als Wolf oder Wolf im Schafpelz daher kommt.

Eine kleine Auswahl weiterführender Links:

Und last but not least der ebenfalls sehr sehenswerte Dokumentarfilm „Mission unter falscher Flagge (Radikale Christen in Deutschland)“:

[youtube]https://www.youtube.com/watch?v=95ESpJn4Szs[/youtube]

Sehr geehrter Herr Oebbecke,

sicher wurden Sie in den letzten Tagen mit Anrufen, Briefen und E-Mails überhäuft, in denen Menschen sich zum Fall der in Ihrer Gesellschaft beschäftigten Erzieherin Elisabeth Sinnerbrink äußern.
Auch unsere Gruppe hat davon aus den Medien erfahren. Als evolutionäre Humanistinnen und Humanisten möchten auch wir dazu Stellung nehmen.

Die Einrichtung, die Sie leiten, ist von den Grundsätzen der römisch-katholische Religion bestimmt. Fragt man römisch-katholische Christinnen und Christen, was denn die Grundlagen dieser Religion seien und was sie von anderen unterscheide, so hört man oft die berühmten Stichworte: Nächstenliebe, Gnade, Barmherzigkeit. Und tatsächlich: immer wieder liest und hört man von Menschen, die so leben und handeln. Diese Menschen bilden das Rückgrat dieser mehr als 1000 Jahre alten Religion. Doch schaut man sich die Verwalter dieser Religion an (ja, es sind nur Männer!), dann muss man feststellen – diese scheinen die Grundlage ihrer eigenen Religion nicht zu beherzigen. In den vergangenen 1000 Jahren wurde von diesen Führern so viel Unglück und Leid über die Menschen und die Welt gebracht, dass man sich immer wieder verwundert die Augen reibt und sich fragt, wie Reden und Handeln denn eigentlich zusammenpasse. Humanismus scheint der römisch-katholischen Kirche in ihren obersten Gremien ein Fremdwort zu sein. Man nennt dieses Phänomen – Scheinheiligkeit.

So auch im vorliegenden Fall. Hier wird einem Menschen die Lebensgrundlage genommen – nämlich das Einkommen -, mit der Begründung, dieser Mensch würde sich im Privatleben nicht an die Regeln halten, die die römisch-katholische Kirche für ihre Mitglieder aufgestellt habe und sei deswegen ungeeignet, den Erziehungsauftrag durchzuführen. Sicher, Sie haben das Recht auf Ihrer Seite. Dieses gewährt den weltanschaulich nicht neutralen Einrichtungen das Sonderrecht, Loyalitätspflichten von ihren Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern zu verlangen. Ihr Verhalten ist aber das genaue Gegenteil von Nächstenliebe, Gnade und Barmherzigkeit.
Und deshalb müssen Sie sich folgende Fragen gefallen lassen:

Ist Frau Sinnerbrink ganz plötzlich und über Nacht ein anderer Mensch geworden, nur weil sie ein zweites Mal geheiratet hat? Was ist eigentlich der Auftrag von Erzieherinnen und Erziehern in Ihren (zum größten Teil aus Steuergeldern finanzierten) Kindertageseinrichtungen – Erziehung zum römisch-katholischen Christentum? Wie passt das zusammen, dass Ihre Einrichtung nebst Angestellten zu größten Teilen aus Steuermitteln aller Steuerzahlen und Steuerzahlerinnen finanziert wird, obwohl nicht einmal ein Drittel dieser „Finanzierer“ Ihrer Religion angehört ? Wozu braucht eine Religionsgemeinschaft überhaupt Wirtschaftsbetriebe, wenn ihr Geschäft doch angeblich das Seelenheil ihrer Mitglieder ist?

Wir hoffen, dass wir Ihnen mit diesen Fragen einen Denkanstoß geben konnten. Wir wünschen uns, dass Ihre Einrichtung sich zum säkularen Staat bekennt und freiwillig auf die Durchsetzung der Loyalitätspflicht bei nichttheologischen Berufen verzichtet.

Mit freundlichen Grüßen,

Von den teils kuriosen Erfahrungen einiger, die auszogen und ihre Gottlosigkeit glücklich kundtan 😉 Oder auch: Wenn zwei (Gläubige und Ungläubige) das Gleiche tun, ist das noch lange nicht dasselbe.

Man stelle sich vor, irgendwo in einem Dorf oder einer Stadt macht ein christlicher Buchladen auf, bietet Lesungen, Filmabende, Diskussionen, schreibt groß ins Schaufenster „Gott liebt auch dich!“ oder „Jesus ist auch für dich gestorben!“ … Wayne? Genau, niemand stört sich daran, gibt es in unzähligen Städten, auch hier um die Ecke. Keine Drohungen bzw. Drohanrufe, keine Abmahnungen, weil Atheisten sich in ihren Gefühlen beleidigt fühlen…

Und nun der andere Fall: Da schreiben Menschen an ihren Laden „Gottlos glücklich“, bieten Filmabende etc. und? Die Republik steht Kopf! 😉 Drohanrufe, Abmahnung, aber auch viel Sympathie und viel Schönes! 😉 Und die Botschaft schafft es sogar in die Kirche! 😉

Glaubt ihr nicht? Hier geht’s lang zum Erlebnisbericht -> Götterdämmerung in Düsseldorf

Mit einer bemerkenswerten Mehrheit hat sich das Europäische Parlament in einer Resolution für die Trennung von Religion und Staat und für die Aufhebung aller „Blasphemie“-Verbote ausgesprochen. Gegen die Annahme des Forderungskatalogs zur Verwirklichung von Grundrechten stimmten vor allem Christdemokraten, Nationalkonservative und EU-Skeptiker.

Hier weiterlesen: EU-Parlament: Resolution fordert Gleichbehandlung nichtreligiöser Menschen