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Ausgewählt aus der Vielzahl der lesenswerten Beiträge des Humanistischen Pressedienstes:

• Die Glosse Transparenz auf evangelisch über die wunderbare Wesensverwandlung von Geld bei der evangelischen Kirche

• Eine Meinungsäußerung von Professor Uwe Lehnert über Theologie an Hochschulen

• Eine Strafanzeige gegen Erzbischof Zollitsch im Sinne des §130 StGB (Volksverhetzung)

• Eine Rezension zum Manifest der Hirnforschung

 

Dass es noch im 21. Jahrhundert Bischöfe gibt, deren Verhalten eher an das von absolutistischen Feudalherren als an das von „guten Hirten“ erinnert, ist keine Besonderheit des Bistums Limburg.

Timo Stein nennt in seinem Beitrag „Ein Rädchen im System Kirche“ (Cicero Online vom 11.10.2013) den Limburger Oberhirten „ein Symptom im Dekadenz-System Kirche“ und weist auf die strukturelle Dekadenz in Gestalt Jahrunderte alter Kirchenprivilegien hin.

Der Theologe und suspendierte Priester Eugen Drewermann wendet sich dagegen, den Limburger Bischof zu skandalisieren für ein strukturelles (und nicht personelles) Problem, Neue Westfälische vom 12.10.2013.
Originalton Drewermann: „In Köln und München leben die Bischöfe schon auf einem so großen Fuß, da muss sich Limburg erst einmal hin hocharbeiten.“
Drewermann kritisiert
– die enormen Rücklagen der Kirche
– ihren Grundbesitz („größter Großgrundbesitzer in Deutschland“)
– die fehlende Transparenz bei Vermögensangelegenheiten
– die Scheinheiligkeit der Amtskollegen des Limburger Bischofs.

 

A propos „Guter Hirte“:
Um ein tadelloses Mitglied einer Schafherde sein zu können, muss man vor allem ein Schaf sein. (Albert Einstein)

Nicht die Kirchensteuern meint ein taz-Kommentar vom 18.09.2013, der die Umsetzung eines über 90 Jahre alten Verfassungsauftrages fordert. Vielmehr geht es um die staatlichen Zahlungen an die beiden Großkirchen in Deutschland, Jahr für Jahr aus allgemeinen Steuermitteln, Größenordnung 460 Millionen Euro, Rechtsgrundlage äußerst zweifelhaft:
http://www.taz.de/Kommentar-Kirche-und-Staat/!123819/

Dass der oben genannte Betrag nur einen kleinen Teil der Gelder ausmacht, mit denen der Staat die Kirchen direkt und indirekt finanziert, beschreibt Carsten Frerk in seinem „Violettbuch Kirchenfinanzen“:
http://www.alibri-buecher.de/Buecher/Kirchenkritik/Carsten-Frerk-Violettbuch-Kirchenfinanzen::348.html

Zum Blogbeitrag „Gilt das Grundgesetz auch in Nordrhein-Westfalen?“ vom 21. Januar 2013 gibt es eine Fortsetzung: Das Verwaltungsgericht Minden hat den Eilantrag der Eltern des betroffenen Jungen abgelehnt. Danach wird das Kind seine Schullaufbahn in einer wesentlich weiter entfernten „Gemeinschaftsschule“ beginnen müssen, allen Bemühungen um Inklusion und Integration zum Trotz sowie im Widerspruch zum grundgesetzlich verankerten Benachteiligungsverbot.

Eine Online-Petition mit dem Ziel, den Jungen doch noch in die nächstgelegene Grundschule aufzunehmen (die ja keine kirchliche Schule ist, sondern eine Schule in Trägerschaft der Stadt Paderborn!), bietet die Möglichkeit, sich genauer über den Sachverhalt zu informieren und sich für das Recht des Kindes und seiner Eltern einzusetzen. Bitte lesen und unterschreiben Sie:
https://www.openpetition.de/petition/bestaetigen/buelent-soll-mit-seinen-freunden-auf-die-grundschule-in-seiner-nachbarschaft-gehen-duerfen

Von den Eltern zu erwarten, die vom Schulleiter der „Bekenntnisschule“ gewünschte Einverständniserklärung zu katholisch-religiöser Erziehung doch noch zu unterschreiben, um dem Kind die sonst zu erwartenden Belastungen zu ersparen, hieße, die Verantwortung für die Auswirkungen des anachronistischen und dem Geist des Grundgesetzes widersprechenden Bekenntnisschulwesens in NRW vom Staat, der Politik und der Justiz auf die schwächsten Teilnehmer in diesem System abzuwälzen.

Das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland bestimmt in Art. 140 GG, Art. 137 WRV (3):

Jede Religionsgesellschaft ordnet und verwaltet ihre Angelegenheiten selbständig innerhalb der Schranken des für alle geltenden Gesetzes„.

Klingt vernünftig, wie aber ist es zu erklären,

  • • dass öffentlich finanzierte Einrichtungen wie Krankenhäuser, Kindergärten, Schulen, Pflegeeinrichtungen zu den „eigenen Angelegenheiten“ der Religionsgesellschaften gehören?
  • • dass die Kirchen bei der Ordnung und Verwaltung solcher Angelegenheiten die Schranken des für alle geltenden Gesetzes missachten dürfen?
  • • dass das Bundesarbeitsgericht einseitig zugunsten der Kirchen entscheidet, im Gegensatz zur Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte?

Für die Humanistische Union schreibt dazu Sven Lüders: Kündigung wegen Kirchenaustritts – der Skandal muss ein Ende haben.

Weitere Informationen bei GerDiA, Kampagne gegen religiöse Diskriminierung am Arbeitsplatz.