Nächstes Treffen
14. Juni 2016
Infos hier!

Juni 2016

Mo Di Mi Do Fr Sa So
1
2
3
4
5
6
7
8
9
10
11
12
13
14
  • Treffen der gbsOWL
15
16
17
18
19
20
21
  • Welthumanistentag
22
  • Welthumanistentag
23
24
25
26
27
28
29
30
Diskussionsforum
Ganz neu und immer offen für Ihre Fragen an uns:
Unser Diskussionsforum
Buchtipp
Archive
Kategorien
Meta
Achtung Programmänderung! Da Ralf Prestenbach leider kurzfristig abgesagt hat, wird sich der Ablauf des Abends wie folgt ändern:
Nach der Vorstellung der OWL-Regionalgruppe der Giordano-Bruno-Stiftung, des Humanistischen Verbandes Deutschland und weiterer konfessionsfreier und humanistischer Gruppen werden Thomas Behrend aus “Heiliger Bim Bam” (Ralf Prestenbach) und Veronika Bitzan aus “Hoffnung Mensch” (Michael Schmidt-Salomon) lesen. Anschließend findet eine Diskussion statt.
Wir möchten Sie ganz herzlich zu dieser Veranstaltung einladen, die wir in Kooperation mit dem HVD Bielefeld durchführen. 
Ralf Prestenbach Heiliger Bimbam

Bild: Julia Berlin

Was wird aus einem Jungen, der in Deutschlands katholischer Rheinland-Provinz aufwächst? Ganz klar: ein Messdiener. Mit himmelschreiender Komik beschreibt Ralf Prestenbach in Heiliger Bim Bam. Ein Messdiener fällt vom Glauben ab seine Jugend in Chorhemd und Talar, in der er so allerhand erlebt hat: Waffengeschäfte und Drogenkonsum im Namen des HERRN, Glaubenskriege im Zeltlager und Evas Erbsünde auf dem Spielplatz. Mit bestechend kindlicher Logik erkennt der kleine Ralf schon früh: Wenn der HERR der Hirte ist, dann muss man sich mit den Schäferhunden gut stellen.

Der 45-jährige Ralf Prestenbach könnte heute auch hinter dem Altartisch stehen und nicht hinter der Theke seines Koblenzer Konzertclubs Circus Maximus. Warum das so hätte sein können – ja, diese Geschichte erzählt der ehemalige Punker, gelernte Masseur und medizinische Bademeister, abgebrochene Tiermediziner und diplomierte Pädagoge in seinem höchst amüsanten Rückblick auf seine katholische Jugend. Als der kleine Ralf im Koblenzer Stadtteil Metternich das Licht der Welt erblickte, begriff er schnell, dass die neue Freiheit wieder in einer Leibeigenschaft endete. Mutter und Vater dankten ständig dem HERRN, dass der kleine Ralf nun endlich da sei – somit war klar: „Der HERR meiner Eltern, war naturgemäß auch mein HERR. Von wegen Freiheit …“ Bei Ralf Prestenbach keimte demnach schon früh das Korn des Zweifels: der geisterhafte HERR als großer Strippenzieher des Schicksals? Nun ja, nahezu zwei Jahrzehnte gab es kein Entrinnen und so durchlief der Koblenzer frech und fromm die Stationen einer katholischen Entwicklungsgeschichte.

So betete Ralf nicht nur für den Weltfrieden, sondern auch für eine neue Erbsenpistole. Selbstverständlich mit aller gebotenen Ehrfurcht, denn der Wunsch musste dem HERRN ja auch in den Kram passen. Und siehe da: „Zwei Monate lang betete ich jeden Abend. Das Ergebnis: Für Waffen ließ sich der HERR definitiv schneller begeistern.“ Aber auch für große Inszenierungen im Delirium war der HERR zu haben: „Einmal im Jahr boten wir alles auf, was wir hatten. Vierzehn Messdiener zogen zur Osternacht festlich gekleidet durch das Mittelschiff zum Altar. Thomas trug die Kerze, und Andreas und ich sorgten für die Drogen. Es sollte das letzte Mal sein, dass wir drei die Verantwortung für den Weihrauch hatten. Wir legten einen Löffel nach dem anderen auf die heißen Kohlen und schwenkten was die Kraft hergab. Und dann kippte der Erste um.“

Von diesen und anderen Erlebnissen erzählt Ralf Prestenbach im charmanten Plauderton mit reichlich Witz und Lokalkolorit. Und zum Schluss fragt der ehemalige Messdiener, der vom Glauben abfiel: „Wo wären wir denn heute ohne christliche Werte? Früher oder später kommt diese Frage immer. Sie ist eine Art Totschlag-Argument, gerade weil man sie nicht eindeutig beantworten kann. Doch Nächstenliebe, Gleichberechtigung und Fairness – all diese Dinge, die sich Christen so gerne auf die Fahnen schreiben, mussten vielfach gegen den erbitterten Widerstand der Kirche erkämpft werden. Da stellt man sich doch besser die Frage: Wo wären wir heute ohne den Humanismus? Im schlimmsten Fall in einer christlichen Welt ohne Glaubens- und Gewissensfreiheit, ohne Frauenemanzipation, ohne Freiheit der Wissenschaft, ohne Freiheit der Kunst …“

Ralf Prestenbach war nicht nur Messdiener, Lektor und Klosterschüler – um ein Haar wäre er auch katholischer Priester geworden. Doch als ihm dämmerte, dass der Mensch sich nicht durch seinen Glauben, sondern durch seinen Verstand an die Spitze der Nahrungskette gekämpft hatte, wählte er die dunkle Seite der Macht und eröffnete einen Musikclub und eine Strandbar in Koblenz am Rhein. Er schuf sich damit ein ganz weltliches Kulturparadies auf Erden.

Im Anschluss Diskussion. Außerdem stellen sich die OWL-Regionalgruppen der Giordano-Bruno-Stiftung und des Humanistischen Verbandes Deutschland vor.

Wann? Donnerstag, 19. November, 20:00 Uhr
Wo? mondo Buchhandlung, Elsa-Brandström-Str. 23, 33602 Bielefeld

Der Eintritt ist frei.

 

Kommentieren

*